Peter Tomschiczek
zum 80sten
22. März – 14. Juni 2020


Andreas Legath
Versunkene Landschaften
25.01. – 22.02.
Andreas Legaths Objekt seiner Bilder sind von der Natur gestaltete Landschaften. Den Farben mengt er oft die Erden der Landschaften bei, die er malt. So entstehen Bilder, die oft wie Reliefs wirken. Das Ergebnis ist seine unverwechselbare malerischen Handschrift, die den Betrachtern die portraitierte Landschaft wirklichkeitsnah erleben lassen.
Einführungsrede – Andreas Legath Bei der Planung einer Ausstellung stellt sich zuverlässig immer dieselbe Frage: Wer sagt am Anfang was? Andreas Legaths Antwort war dieses Mal eindeutig: Der Ernst. Der redet doch sonst auch immer. So kann man Freundschaften testen. Denn ich weiß nie ganz genau, ob Künstler mögen, was ich über ihre Bilder sage. Ich mag Bilder. Sie begleiten mein Leben, machen es reicher, schärfen meine emotionale Neugier auf die Welt. Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum es diese Galerie gibt. Gleichzeitig ahne ich: Meine Art, über Kunst zu sprechen, entspricht nicht immer den Erwartungen. Künstler wünschen sich Einordnung, Gewichtung, kunsthistorische Verortung – zu Recht. Das ist eine Form von Anerkennung. Mein Zugang ist ein anderer. Er kommt aus dem Bauch. Nicht, weil mir Kunstgeschichte egal wäre – im Gegenteil. Sie erklärt Stile, Entwicklungen, Zusammenhänge. Aber sie erklärt mir nicht, warum mich ein Bild anspringt. Mich aber springen Bilder an. Sie erinnern mich an Erlebtes, eröffnen innere Gespräche. Bilder sind für mich Gesprächspartner im Alltag. Und genau das interessiert mich. Seit es Menschen gibt, versuchen sie, Welt wahrzunehmen und Empfindung in Bildern auszudrücken. Von Höhlenmalerei bis Gegenwartskunst geht es immer um dasselbe: Wie ist Welt – und wie fühlt sie sich an? Künstler sind Seismographen dieser Fragen. Übersetzer von Lebensperspektiven. Andreas Legath ist so einer. Ich nenne ihn – hoffentlich nimmt er mir das nicht übel – einen barocken Menschen. Memento mori und carpe diem sind für ihn keine Zitate, sondern Handlungsanweisungen. Der Barock ist für mich keine Stilfrage, sondern eine Haltung. Eine, die heute erstaunlich aktuell ist. Technischer Fortschritt nimmt uns in der Arbeit Mühseliges und auch Lebensschädliches ab – und schenkt uns Zeit. Zeit, Fähigkeiten zu entdecken, Leben bewusst zu gestalten. Der Barock kannte genau diese Spannung – und hielt sie aus. Für mich ist diese Haltung das, was ich unter bayerisch verstehe: Memento mori und carpe diem beschreiben das Leben erstaunlich realistisch. Es ist widersprüchlich. Und genau darin liegt seine Tiefe. Widersprüche erzeugen Erkenntnis. Andreas Legath macht diese Haltung sichtbar. In seinen Bildern, Skulpturen und Projekten geht es um Entstehen und Vergehen, um Opulenz und Vanitas. Die Endlichkeit des Lebens ist präsent – ohne dass die Lust auf Leben geleugnet würde. Schönheit wird zur „gefühlten Wahrheit“ wie Leibniz das barocke Kunstverständnis nannte. Legath ist Landschaftsmaler. Konsequent. Seine Arbeiten beginnen mit schnellen Zeichnungen vor Ort und wachsen im Atelier. Lange interessierten ihn vom Menschen geformte Landschaften, später immer stärker die Spuren der Natur selbst: Brüche, Abrisse, Erosionen – etwa in Sardinien oder der Basilikata. Seine Bilder zeigen Himmel und Erde zugleich: erdige Brauntöne, graue Schwere, fahle Himmel. Keine geschönte Wirklichkeit. Kargheit als memento mori, Erscheinung als carpe diem. Er mischt den Farben seiner Bilder Erden bei, die er vor Ort sammelt. Daraus entstehen die Reliefstrukturen seiner Bilder. Sie wirken, als seien sie aus den Bildern herausgetreten. Ganz barock gedacht: Malerei und Skulptur als Einheit. Legaths Handschrift ist unverwechselbar. Seine Arbeiten erzeugen jene emotionale Erfahrungslust, von der ich gesprochen habe. Treten Sie beim Betrachten ruhig mal ein paar Schritte zurück. Manche seiner Bilder erschließen sich erst mit Abstand. Ein Kunsthistoriker nannte Legaths Bildsprache einen wesentlichen Beitrag zur zeitgenössischen Landschaftsmalerei. Ich ergänze: nicht nur regional. Andreas Legath ist ein regionaler Künstler mit überregionaler Bedeutung – auch, weil er ein bayerisch-barocker ist. In diesem Sinn wünsche ich Ihnen einen Sonntagvormittag im barocken Lebensgefühl – bei den Bildern und bei den hoffentlich ans Barock erinnernden kulinarischen Ergänzungen. Zum Schluss noch ein Hinweis: Im ersten Raum sehen Sie Legathbilder mit neuen Motivennaus der näheren Umgebung Aiblings, aus der Filzen, der Moorlandschaft. Dort liegt auch ein Fotobuch mit Arbeiten von Gitti Mitterer, Andreas’ Partnerin – für uns ist es eine stimmige Erweiterung seiner Ausstellung.
Fr 16.00 - 20.00 Uhr
Sa 14.00 - 20.00 Uhr
So 14.00 - 18.00 Uhr
Wenn Sie Fragen haben, wir sind für Sie da! 08061 - 92770

























