Galerie-Villa-Maria

Kunst.Wein.Wirtschaft

 28. April - 26. Mai

Gutta Lageder

Aus der Zeit!

Bilder und Zeichnungen aus den vergangen Jahren.

 

Ein erfolgreicher Start war das: Über 100 Galeriebesucher nutzten diesen ersten Tag der Ausstellung, um die neuen Bilder von Gutta Lageder zu sehen. 

Zum Nachlesen, hier nochmals die einführenden Worte: 

"Wir eröffnen heute die Ausstellung von und mit Gutta Lageder – mit dem Titel: Aus der Zeit.  

Gutta Lageder ist zum dritten Mal Gast in dieser Galerie.

Diese Ausstellung ist eine rare Chance das eigene Konzepte überprüfen zu können: Wir pflegen und hegen eine zugegeben kleinen Stamm von Künstlern, die im südlichen Oberbayern leben und arbeiten. Es sind Maler und Bildhauer, die von dem leben, was sie mit ihren Händen produzieren, hauptberuflich also Künstler sind.

Für diesen Kreis will diese Galerie Forum und Bühne sein.

Die Künstler der Galerie begleiten wir. In einem Turnus von 3 bis 5 Jahren stellen wir diesen Kreis immer wieder aus. Wir wollen unser Galeriepublikum teilhaben lassen an deren Entwicklung: Wie entwickelt sich deren Formensprache, was sind ihre Themen, was ist unseren Künstlern wichtig in dieser Welt. Wir bauen darauf, dass mit dieser Kontinuität diese Künstler neue Freunde und vor allem neue Sammler gewinnen. Und wir wissen, dass diese Beharrlichkeit ein Erfolg ist.

Als ich die Bilder von Gutta Lageder für diese Ausstellung vor wenigen Tagen in der Galerie erstmals hängen sah, da habe ich mich richtig gefreut und das aus zwei Gründen:

Zuerst und vor allem wegen der Bilder. Es waren für mich wunderbare Bilder, ganz neu und ganz anders im Ausdruck und Stimmung wie ich sie kannte und doch waren sie ganz typische Lageder Bilder. Unverwechselbar in der Bildsprache, aber in Ausdruck und Präsenz ganz eindringlich und mit einem Themenakkord wie ich ihn von ihr bislang so nicht kannte.

Der zweite Grund warum ich mich freute war eine Galeriebetreiberstolz: das Konzept unserer Galerie hier auf dem Land ist wieder einmal aufgegangen: Nämlich zur einmal getroffenen Wahl für einen Künstlers zu stehen, ihm und ihr ein Forum und Raum zu geben, damit man zuschauen kann, wie sich Bildsprache verändert und das künstlerische Ausdrucksvermögen immer weiter wächst.

Nach dem Zuwachs des künstlerischen Ausdrucksvermögens darf man Gutta Lageder nicht fragen. Da wird sie ganz schmallippig – so als sei das nicht wichtig und eine Selbstverständlichkeit. Ich meine sie ist gerade in diesem Punkt viel zu bescheiden, viel zu sehr versteckt sie ihre Ausdrucksvermögen, ihre künstlerische Kraft.

Um sie und ihre Bilder zu verstehen sind ein paar biographische Daten hilfreich:

1967 -1972 Studium der Graphik und Malerei in Wien und Perugia, von 1973 -1976 dann macht sie an der Akademie der Bildenden Künste in Wien ihr Diplom für Bühnenbild. Von 1973 bis 1991 arbeitet sie als Bühnenbildnerin an vielen renommierten Bühnen im deutschsprachigen Raum: an den  Münchner Kammerspiele – dort unter anderem für eine Reihe von Bühnenstücken des Gerhard Polts, dann am Volkstheater in München, am Staatstheater in Hannover, in Saarbrücken, in Braunschweig und am Burgtheater in Wien. Ab 1992 arbeitet sie als freie Malerin. Gestaltet und kuratiert 1995, 1997 und 1999 das Kulturfestival „Creart“ in Düsseldorf. Ausstellungen macht sie in dieser Zeit in Düsseldorf, in Hamburg, in Anzing bei München, in Wasserburg und hier in Bad Aibling in dieser Galerie.

Ein Arbeitsschwerpunkt in all den Jahren ist ihre Arbeit mit Kindern: Es sind keine Malkurse für Kinder, wo sie Zeichnen lernen und etwas über Malerei erfahren – Ihre Arbeit mit Kinder sind kunsttherapeuthische Kurse.

Bei solchen Kursen geht es eben nicht darum den Umgang mit Farben und Materialien zu erfahren, zeichnerisches und malerisches Können zu erlernen, nein in diesen Kursen geht es vor allem darum, dass Kinder Ausdrucksformen finden für das, was sie erlebt haben und was es gilt offen zu legen, um es dann die eigene Persönlichkeitsentwicklung integrieren zu können. Das ist pädagogische Schwerstarbeit. Nicht umsonst gibt es  diese Kurse häufig in den sogenannten „sozialen Brennpunkten“, also dort wo es kracht und wo die handgreifliche Auseinandersetzung die Kommunikationsform ist, die man gelernt hat. Ganz zu schweigen von der Gewalt in der Familie, die dieses Klientel oft nur zu gut kennt.  

Das ist seelische Knochenarbeit und lässt nur begrenzt Zeit und  Raum für die eigene künstlerische Arbeit. Es sind auch deshalb in dieser Zeit nicht so viele Bilder von ihr entstanden.

Warum hebe ich diese Arbeit von Gutta Lageder hervor?

Sie selbst sagt, dass diese Arbeit nah dran ist am künstlerischen Prozess: Nämlich das, was andere über die Welt erfahren haben sich und anderen mitzuteilen, eine Sprache für diese Erlebnisse gefunden zu haben, die man sehen und so sich und anderen mitteilen kann.

Damit bin ich wieder da, wo ich anfing: Für mich strahlen die Bilder von Gutta Lageder  Empathie aus. Sie erzählen vom Prozesshaften des Lebens, von der Bewegung und den dramatischen Veränderungen, die man an sich und anderen beobachtet. Diese Bilder sprechen mit denen, die sie betrachten.

So erklärt sich auch der Titel dieser Ausstellung: Aus der Zeit!

Das ist, meine ich, durchaus im wahrscheinlich doppelten Sinn zu verstehen: Ihre Bildthemen sind Themen der Zeit und es sind Themen, die ausserhalb jeder Zeit stehen, weil sie Lebensthemen sind.  

 Fragt man sie selbst nach den thematischen Schwerpunkte ihrer Arbeiten, dann sind die Antworten konkret und  abstrakt in einem. Es geht um Schichtungen, um Ablagerungen, die die Zeit hinterlässt. Es geht um Brüche, um Abschürfungen und Überlagerungen, die man sieht und die man selbst erlebt. Denn die unterschiedlichen Schichten, Fragmente und Spuren lassen verschiedener Ebenen zusammenkommen. Oft ist es ein Übereinander und Gegeneinander von Chaos und Struktur.

 Sie merken es: wenn Gutta Lageder von ihren Bildthemen redet, dann redet sie vom Leben!

 Und das findet sich dann auch konsequent in ihren Themen, die sie ihren Bildern gibt:  Schuttberg, Tsunami, die grosse Welle, Nachtland, Nichts gehr verloren, Metmorphose oder Kommen und Gehen.

Es sind auf Leinwand und Papier gebannte Lebensthemen.

Besonders spiegeln sich diese Themen in den Bildern, die sie aus Island mitbrachte: gegensätzliche Welten, die ihr dort begegneten, die die für sie die Polarität des Lebens spiegeln.

 

Die Bilder dieser Ausstellung sind für mich ein, ihr vorläufiges Resume. das auf ihrer Fähigkeit beruht Themen der Zeit und Themen aus der Zeit Gestalt und Form zu geben.

Deshalb bieten für mich diese Bilder die Chance für den Dialog über Themen des eigenen Lebens.

Wer immer diese Bilder betrachtet, die Grundlage des Betrachtens wird immer das sein, was er selber erlebt hat und diese Erfahrungen sind auch die Basis, die Grundlage des eigenen Lebens.

Lassen sie sich auf diesen Dialog mit diesen Bildern ein.  

Sie werden viel über sich erfahren!

Denn gute Bilder können das! Und sie finden hier heute sehr viele gute Bilder!

 In diesem Sinn wünsche ich einen erfahrungsreichen Sonntagvormittag"

EG - 280413