 | 29. Januar – 26. Februar Max Pfaller
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Ein oberflächlicher Blick könnte die Bilder Max Pfallers in die Denkschublade „Photographische Malerei“ stecken. Denn sie bestechen durch fotographische Perfektion. Das aber ist nur die halbe Wahrheit: Sie durchdringen die Wirklichkeit, wie es ein Photo nie erreicht. Was die Bilder Pfallers von der photographischen Malerei unterscheidet ist der scheinbare Realismus: Er setzt die Wirklichkeit neu zusammen und lenkt damit das Interesse des Betrachters auf die Wirklichkeit wie er, Pfaller sie sieht. Diese Wirklichkeit, die er gerne ergänzt durch ironische Bild-Zitate, sie sind eine subtile Kritik unserer Existenz in dieser Wirklichkeit, die wir selber schaffen und in der wir uns eingerichtet haben.
Einführungsrede zur Ausstellungseröffnung:
Max Pfaller ist in unserer Gegend kein Unbekannter. Aber dennoch ist er einer, der sich rar macht, vor allem in den letzten Jahren und vor allem mit Einzelausstellungen und das nicht nur in dieser Gegend.
Wenn ich es recht überblicke, dann war seine letzte Einzelausstellung hier im damaligen Amtshaus in Hohenauschau – das war im September 1995. Das Amtshaus ist längst zur Aschauer Galerie mutiert.
Es gab dazwischen Ausstellungsbeteiligungen, auch in Rosenheim und Wasserburg, aber auch die wurden rarer von Jahr zu Jahr.
Deshalb ist eine große Ehre und für eine Galerie wie die unsere ein großes Vergnügen ihn hier in einer Einzelausstellung präsentieren zu dürfen.
Die Einführung für die Ausstellung im ehemaligen Amtshaus in Hohenauschau, 1995 hielt Klaus Schönmetzler. Wir hätten ihn gerne gewonnen hier und heute und mit 15 Jahren Abstand wieder zu reden – wir waren sicher es wäre für ihn und dann uns eine wunderbare Wiederbegegnung geworden.
Es gelang uns nicht Kontakt mir ihm aufzunehmen – wir wünschen ihm gute und vor allem dauerhafte Genesung auch von dieser Stelle.
Das, was Schönmetzler damals 1995 sagte klingt heute noch so, als ob er es damals schon für diese Ausstellung geschrieben hätte: Er stellte den Kunstmoden der 80iger Jahre und davon gab es ja viele und vor allem viele viele Sünden, diesen Moden stellte er 1995 die Zeitlosigkeit der Bilder von Max Pfaller gegenüber: "Zu malen wie Max Pfaller ist auf einmal wieder denkbar – als Bestandaufnahme: cool und realistisch und ironisch; ohne hektisches Gestikulieren – und vor allen als Kunst." Und weiter: "Sie sehen hier beim Betrachten der Bilder von Max Pfaller Dinge und Prozesse, die sie so bislang noch nicht gesehen haben: Zum Beispiel wie Max Pfaller gerade nicht ein einem festgelegt Photo malt, sondern wie geduldig er die Themen umkreist, erprobt und Motive kombiniert, Kompositionen ändert, um dann in einem anderen Bild diese Bilder wieder zu bündeln, ohne dass dieses Bild der Schlusspunkt der Möglichkeiten wäre." Das hört sich in der Tat an, als hätte es Klaus Schönmetzler für diese Ausstellung geschrieben.
Denn mit einem oberflächlichen Blick kann man die Bilder Max Pfallers in die Denkschublade „Photographische Malerei“ stecken. Sie bestechen durch malerische Perfektion. Aber diese Bilder durchdringen die Wirklichkeit, wie es ein Photo nie erreichen kann.
Was sie von der photographischen Malerei unterscheidet ist der scheinbare Realismus: Max Pfaller setzt die Wirklichkeit neu zusammen und lenkt damit das Interesse auf die Wirklichkeit wie er sie sieht….eine Wirklichkeit, die dann seine Sicht auf diese Wirklichkeit ist zu der er uns einlädt mit ihm hinzuschauen, was da vor unsern Augen so passiert. Seine Ironie, also seine subtile Kritik an unserer Existenz in dieser Wirklichkeit, die wir uns ja meist selber schaffen und in der wir uns eingerichtet haben, macht das Hinschauen, dann neben dem Kunstgenuss zum intellektuellen Vergnügen.
Nehmen Sie z.B. hier in diesem Raum, das Einladungsbild für diese Ausstellung: Er nennt es schlicht drei Frauen, ich würde lieber sagen Drei Göttinnen. Es ist eine Begegnung von zwei ohne Zweifel attraktiven Frauen heute mit einer unbeschreiblichen und berühmten aus der Antike, die allerdings eine Kopie ist und zum Gartenassesoir degradiert. Lassen Sie sich diese Begegnung auf ihrer intellektuellen Zunge zergehen: Das Bild stellt Bezügen her, schlägt Zeitbrücken, lädt zum schmunzelnden Nachdenken ein, setzt Gedanken in Bewegung, die weit über das im Bild Dargestellte hinausweisen.
Dann weiter in diesem Raum die fünf Frauen in der Galerie. Auch sie schauen auf Bilder, die eine Situation beschreiben, die sie in dem Museumsraum selber herstellen, wenn sie sich und ihre Wirkung in diesem Raum wahrnehmen würden.
Ein drittes Beispiel: im mittleren Raum: Schwarzes Auto im Herbst – Danae – niemand kann ernsthaft annehmen die Schrift Danae sei ein zufälliges Graffito auf dem Pflaster: Aber man muss sich in der klassischen Mythologie auskennen, um es auf Anhieb zu verstehen oder wie ich die Wissenslücke zuzugeben und dann bereit sein nachzuschauen – ich habe es hier in diesem Kreis sicher nur für mich gemacht: Danae verweist auf den griechischen Mythos der Verführung der Danaë durch einen Goldregen und wird der Mythos wird immer dann zitiert, wenn man auf die korrumpierende Macht des Geldes und des Goldes verweisen will, das hier als Herbstlaub auf die glänzende Pracht fällt.
Ein letztes Beispiel: Im Gang die beiden Bilder „Am Führring“ – wunderbare, makellose Pferde schauen verstohlen und vielleicht sogar etwas eifersüchtig auf die Betrachterinnen oder man fragt sich wer führt hier wen vor?
Ich will sie nicht mit meinen Entdeckungen weiter behelligen - entdecken sie selbst die Geschichen, die in diesen Bilder stecken.
Max Pfaller ist nämlich Maler und Geschichtenerzähler vor allem aber ein ironiefähiger Protokollant unserer Zeit und deren Moden.
Auf eines will ich Sie aber noch gesondert hinweisen: im mittleren Raum auf dem Grafikschrank sind Zeichnungen unter einer Glasplatte, die gerade für Bad Aibling etwas Besonderes sind: Zeichnungen der Wegstrecke der alten Feilnbacher Bahn aus dem Jahr 1971 – auch sie ein Zeitdokument, das Wehmut und Zorn aufkommen lassen kann.
Ich freue mich sehr, dass Max Pfaller und seine Bilder für vier Wochen Gast in unsere Galerie sind.
Ernst Geyer 290112
Bilder aus der Ausstellung:
Die nächste Ausstellung:
04. März – 8. April
Siglinde Berndt
"Menschen"
Vernissage am 4. März 11.00 Uhr